Bahn-Chef: „Wirkungsvolle Streiks sind ein dreister Skandal!“

Bahn-Chef Rüdiger Grube meldete sich heute erstmals zum Streik der Lokführer lebhaft zu Wort. Ein Skandal sei es, dass diese „Schmalspur-Autofahrer“ überhaupt mehr Geld fordern, geschweige denn in Streik gehen. Eine „regelrechte Beschämung für die Würde jedes einzelnen deutschen Arbeiters“ sei es dagegen, so unerwartet und flächendeckend zu streiken, dass es nicht nur einen massiven Image-Schaden für das Unternehmen, sondern auch einen so großen finanziellen Verlust gäbe, dass man die gesamten Gehaltserhöhungen für das nächste Jahr locker hätte bezahlen können, wenn man mit der Gewerkschaft verhandelt.

Berlin, 17.10.2014. Bahn-Chef Rüdiger Grube trifft sich mit einigen tonangebenden deutschen Journalisten von Zeit, FAZ, Spiegel, die Welt, Focus, N24, Stern, N-TV, NDR, Handelsblatt, Frankfurter Rundschau, LVZ und AMR. „Meine Herren – und Dame – die Situation ist angespannt. Sie wurden sicher bereits informiert, dass die Gewerkschaft der Lokführer kurzfristig streiken will. Das ist weder abgesprochen noch fair! Entweder man kündigt es lange genug vorher an, damit wir uns mit Ersatzverkehr und Fahrplanänderungen darauf einstellen können oder man macht es zahm genug, dass der Streik ohnehin Keinen stört! Das ist gute deutsche Gewerkschaftstradition! Was die sich hier erlauben, ist eine Frechheit, ein Skandal!“ Zustimmende Einigkeit unter den Journalisten. Grube weiter: „Einige Spielsüchtige würden die Lokführer um ihre Arbeit beneiden –  Lokführen ist Geld verdienen per Knopfdruck. Außerdem fahren die doch immer nur gerade aus! Sobald das gesetzlich möglich ist, holen wir nur noch Leiharbeiter. Da können Gewerkschaften wenig machen!“

Die Gewerkschaft der Lokführer, die mittlerweile die Mehrheit der DB-Angestellten (nicht nur Lokführer) vertritt, gilt als Schlachtross und ist ein Lieblingsfeind nicht nur der Deutsche Bahn Chefetage, sondern auch der Konkurrenzgewerkschaft EVG. „Es ist doch dreist“, so EVG-Chef Klaus-Dieter Hommel, „die GdL-Aktionen sind eine reine Mitglieder-Werbeaktion. Aber darum darf es nicht gehen. Wir sehen es ja bei uns selbst. Wir haben 209 Tausend Mitglieder, die GdL nur 34 Tausend. Wenn die so gigantisch wären wie wir, wüssten die, dass das nur Probleme mit sich bringt und man fast nichts mehr für die Mitglieder erreicht.“

Einen genialen Lösungsvorschlag hat dagegen Roland Tichy, Qualitätsjournalist und Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“. Mit seinem Tweet „Liebe Selbstmordgewerkschaft GDL, in London fahren die U-Bahnen bald ohne Lokführer….“ stieß er geschmack- und verständnisvoll – denn einige Lokführer wissen genau, wie es sich anfühlt einen Selbstmörder zu überrollen – eine wertvolle, sachliche Diskussion im hitzigen Streit um Gehalt und Arbeitsbedingungen an: Sich in London vor die automatischen U-Bahnen werfen, um mit dem entstehenden Verkehrschaos zu demonstrieren, dass auch Computer nicht das Allheilmittel für mittelfristige Probleme sind.

Die AMR bleibt für Sie vor Ort. Wir haben auch keine andere Wahl. Unser Zug fährt nicht.

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