Studie Herbstkuscheln: Deutsche werden entspannter

Die Deutschen sind ein kühles Völkchen, so berichten viele Ausländer, die Deutschland das erste Mal besuchen. Doch kommt die kühle Jahreszeit, tritt die Wärme der hiesigen Kuschelkatzen und Wohnzimmertiger langsam ans schwindende Tageslicht. 92% der Deutschen – so fand eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Sozial-Empirik Sangerhausen heraus – genießen die Wärme eines anderen Menschen. Grund genug, sich mit  Kakao und einer warmen Decke an den Partner, die Liebhaberin oder einfach den nächstbesten lieben Menschen anzukuscheln und die kalte Jahreszeit herzenswarm willkommen zu heißen.

Anstoß für die Studie sei einfach Neugier gewesen, so John McFicklestein, gebürtiger US-Amerikaner und Leiter des Instituts. „Die deutschen Frauen gelten in meiner Heimat Colorado als biestige Feministen, während die Männer als gezähmte Pantoffelhelden empfunden werden. Aber wenn Sie den Durchschnitts-Baby-Boomer-Amerikaner kennen, dann wissen Sie auch, dass er Europa für eine Metropole in Afrika hält. Ich wollte es dagegen wirklich wissen.“ McFicklestein gab seinen Wohnsitz auf und zog nach Deutschland, verdingte sich jahrelang als Sozialtherapeut und Kellner, bis er 2011 die Stelle am Fraunhofer-Institut antrat. „Eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich liebe die Arbeit mit Menschen“.

Um sicher feststellen zu können, ob Deutsche Kratzbürsten oder Kuschler sind, unterteile McFicklestein die 597 Probanden in 3 Gruppen, die er jeweils für 14 Tage – versorgt mit Essen, Wärme, Entspannungsmusik und sanitären Anlagen – in ein abgeschlossenes Areal sperrte: Eine Gruppe auf einem üppigen 1000 qm Areal mit Verwinkelungen, etlichen Rückzugsorten und Ablenkungsmöglichkeiten, wie Spielekonsolen und Kino. Die zweite Gruppe auf ein ebenso üppiges, ebenso gemütliches Areal ohne Ablenkungsmöglichkeiten. Und eine dritte Gruppe, deren 201 Teilnehmer sich auf einer 100 qm kleinen Wohnfläche mit an Privatsphäre lediglich 3 getrennten Toiletten und 2 Bädern arrangieren mussten.

„Die Ergebnisse waren verblüffend“, so McFicklestein. „Die Menschen wurden vertrauter, behandelten sich zärtlicher, kuschelten, liebkosten sich. Besonders auf dem großen Areal ohne Ablenkungen fanden sich schnell neue Paare und Kuschelfreunde. Da es weder Stress noch Ablenkungen oder Hierarchien gab, fielen die sozialen Mauern in Windeseile“. Schwieriger gestalteten sich dagegen die zwei anderen Versuchsgruppen, so McFicklestein: „Die Gruppe auf kleinem Areal tat sich zunächst sehr schwer, sich zu finden. Nähe zu ertragen – geschweige denn zu genießen – ist in der deutschen Kultur nicht üblich. Die Scham und die Angst vor der sozialen Ächtung sitzen tief. Dennoch fand sich diese Gruppe auch nach wenigen Tagen intensiv – wenn nicht intensiver als die erste Gruppe – zusammen und wurde vertraut und kuschelig.“

„Die dritte Gruppe allerdings“, so McFicklestein, „bereitete uns das größte Kopfzerbrechen. Die Testosteron- und Östrogenlevel und der Stress unserer Probanden stiegen täglich an, doch die Ausweichmöglichkeiten und die Ablenkung waren zu hilfreich, um die eigene Scham zu überwinden. Nur vergleichsweise wenige Kuschler – 40% – fanden sich in dieser Gruppe. Dennoch ein absoluter Erfolg!“

McFicklestein ist zuversichtlich, damit den Stein der Weisen für die Gemütsforschung der Deutschen gefunden zu haben. „Geht raus. Zeigt was ihr wollt. Steht dazu. Die Gemütlichkeit steckt in euch“. Ein Rat, den die AMR-Reporterin direkt mit McFicklesteins Sekretär umsetzte.

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