Genial: Miet-Monarchie als neues Erfolgsmodell für 1 Mio Mieter

Deutsche Mieter sind überfordert mit der Wahlfreiheit ihrer Wohnungen und dem Vergleichen von Konditionen. Miete mindern: Ja oder Nein? Umziehen? Rechtsstreits? – Der Mieter kann mit seinen Handlungsfreiheiten nicht umgehen. Zum Glück wird dieser Umstand bald der Vergangenheit angehören, denn die Deutsche Annington und Gagfah, zwei Mega-Wohnungsgesellschaften in Deutschland fusionieren mit freundlicher Absegnung des Kartellamts. So wird eine neue Miet-Monarchie erschaffen, die den Mieter von jeglichen Freiheiten befreit und die die Sicherheit erschafft, die sich viele Mieter so lange gewünscht haben.

Welche Vorteile wird die Fusion für die Mieter bringen? Annington-Chef Rolf Buch erklärt: „Nun, zunächst einmal wird der Mieter von der Last befreit, Konditionen und Preise zu vergleichen. Es gibt nur noch einen Anbieter. Das erspart viel Zeit. Auch wird man sich nicht mehr überlegen müssen, ob man sich mit seinem Vermieter streiten möchte. Es gibt keinen anderen, also bedeutet jeder Streit Obdachlosigkeit, das entlastet extrem. Generell muss man auch nicht mehr umziehen, was genial ist, denn jeder hasst es, wenn er jedes Jahr die schweren Eichenmöbel des besten Kumpels in der Gegend rumschleppen muss. Ein weiterer Bonus: Es wird keine lästigen Sanierungen mehr geben. Die Mieter haben somit Ruhe vor Baulärm und müssen sich nicht auf neue Fassaden und Wasserleitungen oder Heizungsrohre umstellen.“

Auch hat die Wohnungsgesellschaft ein grandioses Konzept entwickelt, um sowohl Fans des rauhen Mittelalters als auch Nostalgiker (“früher war alles besser”) zufrieden zu stellen, indem sie archaische alte Sitten wieder einführen wollen:

  • Der Gang zur Hausverwaltung muss in gebückter Haltung durchgeführt werden. Zuerst ist die Hand des Pförtners zu küssen.
  • Im Büro des Sachbearbeiters muss der Kunde kniend auf den Bearbeiter zurutschen, seine Füße küssen und sich zunächst 5 Minuten in einer vorgegebenen Grußformel beim Sachbearbeiter entschuldigen, dass er ihn mit seinen niederen Problemen belästigt.
  • Der Mieter darf dann 2 Minuten lang sein Problem erklären, worauf der Bearbeiter 10 Minuten lang referiert – der Mieter darf dabei den Redefluss des Bearbeiters nicht unterbrechen.
  • Abschließend geht der Mieter in gebückter Haltung und unter ständigen Verbeugungen aus dem Büro und dem Gebäude, ohne jemandem im Haus in die Augen blicken zu dürfen.
  • Draußen zahlt der Mieter dann seine Bearbeitungsgebühr von 250 Euro.

Die neue Gesellschaft hat auch versprochen, nicht einfach willkürlich die Preise zu erhöhen. Stattdessen wurde ein transparentes Modell kontinuierlicher Preissteigerungen entworfen, die von jederman einsehbar sind. Die Steigerungen liegen zwar mit 15 % pro Jahr deutlich über dem Durchschnitt, dafür kann sich aber jeder Mieter darauf vorbereiten, was eine extreme Erleichterung für die Mieter darstellt. Mieter Frank Müller aus Bremen zum Beispiel sieht die Preisentwicklungen sehr gelassen: “Wenn ich jedes Jahr eine Gehaltserhöhung von 10 % erwirke und Mitte 2015 noch einen zweiten Nebenjob annehme, werde ich mir meine Wohnung mindestens bis 2016 leisten können. Das ist großartig!”

Der Kritik, die neue Gesellschaft werde ein raffgieriger Monopolist, setzt Rolf Buch entgegen, dass sowohl Gagfah als auch Annington staatliche Wohnungen auf Pump gekauft und mit Schulden finanziert hätten. Die Mieter müssen sich also nicht umstellen: „Ob der Monopolist nun der Staat oder eine Mega-Wohnungsgesellschaft ist, ist gleichgültig. Genauso wie beim Staat wird der Mieter immer genau wissen, wer der Ansprechpartner ist. Der antwortet zwar nie, aber damit finden sich Mieter leichter ab als mit dem Stress, sich um Kleinigkeiten wie ausgefallene Heizungen im Winter zu streiten.“

Andere Kritiker sehen aber auch Nachteile: Internet-Portale, die Wohnungspreise vergleichen, sowie Makler dürften mit Massenentlassungen bedroht sein. Darauf Rolf Buch: „Das ist nicht unser Problem. Unsere Wohnungen werden sie sich dann ohnehin nicht mehr leisten können“.

2 Kommentare

  1. Ist das eine neue Pastillon Seite? 🙂
    Der Beiträg ist köstlich 😀 besonders die Stelle:
    kein Streit mit der Hausverwaltung, sonst obdachlos! 😀
    aber es ist auch leider die bittere Realität.
    da wird der Handkuss beim Pförtner doch zur Pflichtlektüre!
    Armes Deutschland!

  2. Der Gewinn ist schon die halbe Miete !

    Laut ARD-Morgenmagazin ist in einem gut geführten Wohnungswirtschaftsunternehmen eine Rendite von 4-6% zu erzielen, was den Hedgefonds aber nicht reicht.

    Ausgehend von einer Wohnung im Wert von gut 60.000 € und einer erzielbaren Kaltmiete von 450, maximal 500 €, stehen bei 5% Rendite Einnahmen von 6.000 € ein Gewinn von 3.000 € entgegen.

    D.h. die eine Hälfte streicht der Vermieter ein, die andere geht für Abschreibung und Reparaturen drauf.

    Und da wird noch von Freiheit und Gleichheit gefaselt, während man gezwungen ist, eine Wohnung zu mieten, um an der Gesellschaft teilhaben zu können.

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