Hetze-Burnout in den Redaktionen: Griechen, Russen oder Moslems?

Hetzestau Redakteur
Hetzestau Redakteur

Redakteur Frank M. sitzt vor dem Redaktionsgebäude einer noch namhaften deutschen Tageszeitung und raucht eine Zigarette. Ab morgen ist er krankgeschrieben. Er leidet unter Burnout-Syndrom. “Die letzte Woche hat mir den Rest gegeben. Ich weiß nicht mehr weiter. Russen, Muslime und jetzt auch noch die Griechen. Wie soll ein einzelner Redakteur soviel Hass gleichtzeitig aufbringen, um gegen alle gleichermaßen zu hetzen? Wenn jetzt der Weselsky wieder mit Streiks anfängt, dann werde ich kündigen!

Bis letzte Woche schien Frank M. noch Herr der Lage zu sein. Nachdem die Einheitspresse den Angriff auf Mariupol eindeutig den Russen zugeschoben hatte, die OSZE brav ihre Anschuldigungen in die richtige Richtung lenkte und Poroschenko feierlich die Staatstrauer ausgerufen hatte, war alles vorbereitet, um eine neu Hetzwelle gegen Putin loszutreten. Die Artikel, die beschrieben, wie Putin die Säuglinge aus den Brutkästen wirft, wie er Ukrainerföten in Sibirien mit nacktem Oberkörper grillt und dann roh verspeist waren fertiggestellt und die fahrenden Chemielabore waren schlüssig in die PowerPoint Präsentationen eingefügt. Auch die Antisemitismuskeulen lagen griffbereit im Schubfach. Plötzlich die Wahl in Griechenland. Der irre Tsipras gewinnt. “Keiner hat es ernst genommen! Folgenlose Regierungswechsel gibt es ja quasi wöchentlich, aber das was dann kam, hat uns echt unvorbereitet getroffen!” so Müller. “Da fängt der griechische Pygmäe doch tatsächlich an die Wünsche der Wähler umzusetzen. Dieser scheiß Populist.” Sowas hat er seit dem Amtsantritt Putins Ende der 90iger Jahre nicht mehr erlebt!

Frank M. Dachte jetzt könne man aber erstmal die Hetze gegen Putin wirken lassen und sich dann den Tsipras in Ruhe vornehmen. “Vorbereitungszeit braucht man sicher keine, wenn das Opfer plötzlich wechselt. Wie üblich vermischen wir die den Vorwurf der antieuropäischen Haltung, Dummheit und niedere Beweggründe mit einem ungesunden Maß an Antisemitismusvorwürfen. Da haben wir ausreichend Schablonen, die wir schon seit Jahrzehnten immer wieder verwenden. Aber aufgrund des geringen Alphabetisierungsgrades in den Redaktionen wegen der Personaleinsparungen, sind viele Redakteure nicht mehr in der Lage die Zeiten, Namen und Orte korrekt umzuschreiben. Da haben wir einen hohen Lektoratsaufwand. Das ist nicht an einem halben Tag zu schaffen!”

So langsam hat Frank M. seine Redaktion auch wieder im Griff. Er hat jetzt herausgefunden, dass das von ihm seit Jahren verwendete Programm “Word” nicht nur zur Formatierung von Texten und Überschriften geeignet ist, sondern auch eine Funktion hat, mit der man Serienbriefe erstellen kann. “Ich hatte dann die geniale Idee, dass man diese Funktion für gleichgeschaltete Hetze hervorragend verwenden kann. Damit können automatisch Zeit Ort und Person ausgetauscht werden und wir brauchen den Artikel nur einmal zu schreiben! Veröffentlichen ihn aber für Putin, Tsipras und Muslime gleichzeitig! Ich denke da können wir wieder mal ein paar Leute entlassen!”

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2 Kommentare

  1. Sie sollten den Mut haben, die Dinge klar zu benennen! Da dieser Mut Ihnen womöglich doch abgeht, möchte ich – im Sinne von Transparenz und Wahrhaftigkeit – Ihrer Leserschaft Franks Situation aus unmittelbarer Anschauung berichten: Ich selbst, Sozialarbeiter und seit 1982 Mitglied der GRÜNEN, traf Frank M., Redakteur der in Schwierigkeiten befindlichen WELT, bei der Treberhilfe Berlin, wo er seine Mahlzeiten zu sich nimmt. Frank befindet sich in einem extremen Burnout mit suizidalen Tendenzen. Das Schlimme ist aber nicht nur, dass seine Kraft zur aktiven Hetze erlahmt. Vielmehr ist die gesamte psychosoziale Situation wahnsinnig oppressiv: Frank kommt als fähiger und hetzerfahrener, aber freier Redakteur nur noch auf Honorare von 200-300 Euro im Monat. In einer Stadt wie Berlin ist dies zum Leben zu wenig und zum Sterben zuviel. Freie Kost erhalten Fälle wie Frank bei uns in der Treberhilfe, Logis nach Möglichkeit auch. Oftmals stecken wir Menschen wie Frank ein paar Zigaretten zu. Die hygienische Situation früher dynamischer Hetzredakteure ist allerdings kritisch – eine wöchentliche Dusche in den Redaktionsräumen und ein Unterhosenwechsel alle 4-5 Tage müssen einfach reichen. Wir versuchen Frank aufzufangen, aber seine Situation verschlimmert sich zusehends. Es ist ein Stück weit wahnsinnig traurig, wie unsere Gesellschaft mit verdienten Hetzern umgeht. Ich denke mal, dieses Land sollte endlich die notwendigen Mittel für Hetzerselbsthilfegruppen freimachen, um diesen Menschen wieder zurück in ein würdiges Leben mit Lohn, Brot und Hetze zu verhelfen. Ich appelliere an Sie, sich diesem gesellschaftlich und ethisch wichtigen Projekt nicht weiter zu verweigern ! Haben Sie ein Stück weit Mut und helfen Sie Hetzern gezielt, mutig und auch gegen Widerstände! Die Hetze gehört zu Deutschland, denk ich mal.

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