Vergewaltiger will Tat als Satire verstanden wissen

Na, ist Ihnen schon zum Lachen zumute?
Na, ist Ihnen schon zum Lachen zumute?

„Ich wollte ihr nur zeigen, was man nicht machen darf!“

Frank M. aus Bremen hatte zu Beginn des letzten Jahres eine junge Frau in einer Tiefgarage vergewaltigt. Heute steht er vor Gericht und die Anwesenden staunten nicht schlecht. Laut Aussage des Angeklagten, sei die Vergewaltigung in einem satirischen Kontext abgelaufen und hätte einen edukatorischen Auftrag. Daher sei dies durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Er bezog sich dabei auf Ausführungen von Alexander Thiele auf verfassungsblog.de:

Dieser schrieb zur Causa Böhmermann:

„Wenn in der aktuellen Debatte immer wieder die Niveaulosigkeit des vorgetragenen Gedichts betont wird, geht das insofern am eigentlichen Problem vorbei. Entscheidend ist vielmehr der Umstand, dass Böhmermann dieses Gedicht in einen quasi-edukatorischen Gesamtkontext einbettet, um auf diesem, zugegebenermaßen sehr drastischem Wege die Grenzen der Meinungsfreiheit zu verdeutlichen. Und tatsächlich wird man letztlich nicht bestreiten können, dass sich dieser besondere Kontext von gewöhnlicher und unzulässiger Schmähkritik unterscheidet, was diesen Fall denn auch so besonders und juristisch interessant macht.“

Der Angeklagte betonte, dass er während der Vergewaltigung immer laut und deutlich gerufen habe: „Jetzt werde ich dir mal so richtig verbotene Sachen zeigen!“

Analog argumentiert dann auch M.s Anwalt:

„Wenn in der aktuellen Debatte immer wieder die Niveaulosigkeit des Vergewaltigung betont wird, geht das insofern am eigentlichen Problem vorbei. Entscheidend ist vielmehr der Umstand, dass mein Mandant die Vergewaltigung in einen quasi-edukatorischen Gesamtkontext einbettet, um auf diesem, zugegebenermaßen sehr drastischem Wege die Grenzen der Freiheit zu verdeutlichen. Und tatsächlich wird man letztlich nicht bestreiten können, dass sich dieser besondere Kontext von gewöhnlicher und unzulässiger Vergewaltigung unterscheidet, was diesen Fall denn auch so besonders und juristisch interessant macht.“

Nachdem sich die Verteidigerseite von diesem Schock erholt hatte, holte Sie zum Gegenschlag aus. Die Argumentation: Es bestehe ein Unterschied zwischen dem Rechtsbruch an einem unschuldigen Opfer und dem Vorgehen Böhmermanns gegen einen kriminellen wie Erdogan. Erdogan habe die Angriffe durch seine Handlungen selbst provoziert und so sei das zu rechtfertigen.

Der Beschuldigte antwortete darauf, dass auch das vermeintliche Opfer die Vergewaltigung durch ihre aufreizende Erscheinung und die passende Kleidung provoziert habe.

Außerdem habe die Frau zuvor einen Bierdeckel aus einem Restaurant geklaut, er habe es genau gesehen! Damit sei sie selbst eine Kriminelle und habe kein Pardon verdient.

Aufgrund der Komplexität der Angelegenheit wollten die Richter aber noch kein Urteil fällen. Möglicherweise soll zunächst das Urteil im Fall Böhmermann abgewartet werden, sodass die Entscheidung für die Richter anschließend einfacher werden. Die Richter versprachen auch sich nochmal alle Meinungen auf Facebook anzusehen, um ja nichts falsch zu machen. Nicht dass sie nachher noch als Erdogan Unterstützer dastehen, wenn sie M. nicht freisprechen. Einen Shitstorm könne das Gericht sicher nicht gebrauchen.

Der Zentralrat der deutschen Vergewaltiger hat schonmal seine Mitglieder aufgefordert, die FreeBöhmi Kampagne bei Change.org zu unterstützen, in der Hoffnung, dass damit ein Präzedenzfall entsteht. Möglicherweise können sich zukünftige Vergewaltiger damit gegen Strafverfolgung absichern, solange sie vorher dem vermeintlichen Opfer den satirischen Zusammenhang und ihren edukatorischen Auftrag ausreichend dargelegt haben.

 

Dir gefällt der Artikel? Spende hier für mehr!

3 Kommentare

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*